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Kapitel 9 Die Stimmung kippt

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Kapitel 9 Die Stimmung kippt

Beitrag von Moni am Do 27 März - 4:08

Joshua warf einen frustrierten Blick auf seine Uhr. Es war der 11.10.2012, 23:00 Uhr. Nun kämpfe ich also schon ein ganzes Jahr lang um meine Anna, dachte er traurig. Was machte er nur falsch, dass sie ihn nicht wollte? Josh war bis vor zehn Minuten unterwegs gewesen, auf der Wache war die Hölle los seit dem Verschwinden und wahrscheinlich sogar der Ermordung von Meredith Steelers.
Für den jungen Polizisten war dies ein ziemlich mysteriöser Fall, da es keinerlei brauchbare Hinweise zu geben schien. Alles, was sie hatten, waren die Vase und das Blut vom Tatort.
Die Hoffnung, an der Vase Fingerabdrücke zu finden, oder andere Spuren, welche auf die DNA des Täters schließen lassen, wurde schnell zerschlagen. Die Vase war sauber, bis auf das Blut und die Fingerabdrücke der Familie. Und auch im Blut konnte man keinerlei Rückstände irgendwelcher Haare, Schuppen oder sonstiges finden.
Bisher hielt Josh es für unmöglich, so genau arbeiten zu können, dass man wirklich gar nichts mehr finden konnte.
Er ging davon aus, dass irgendwo eine Spur sein musste, also trimmte er sich auf das Suchen, was seine Hände die letzten Tage sehr in Mitleidenschaft gezogen hatte. Die Fingerkuppen waren offen, das rosa Fleisch schimmerte durch die dünne Schicht getrockneten Blutes. Er hatte den kompletten Garten der Familie Steelers umgegraben, außerhalb der Dienstzeiten.
Offiziell hätte er dafür eine Erlaubnis benötigt, da der Garten jedoch von dem großen Haus perfekt abgeschirmt wurde und es sowieso schon dunkel war, wenn er Feierabend hatte, würde ihn niemand entdecken. Seine Kollegen würden auch nichts merken, sie hatten den Tatort bereits so gut wie abgeschrieben.
Diese Dummköpfe, schimpfte er in seinem Kopf, wann kapieren die denn endlich, dass die verdammte Vase so sauber ist, wie ein steriler Wundverband? Ich werde das Geheimnis lüften, ganz alleine. Anna wird hin und weg von mir sein., führte er seinen Gedankengang zu Ende, während er sich vom Sofa erhob, um sich in der Küche einen Kaffee zu brühen.
Josh stand ein wenig breitbeinig vor seiner Tassimo, die er sich erst vor kurzem gekauft hatte und stützte seine Ellbogen auf der marmornen Arbeitsplatte ab, während er den pechschwarzen Kaffee beobachtete, wie er langsam in die Tasse tropfte.
Sie kann mir nicht entkommen. Ich verstehe gar nicht, wieso sie mich abweist. Ich bin jung, sehe nicht übel aus und bin ein erfolgreicher Kriminalbeamter, der gutes Geld verdient. Was fehlt ihr denn bitte?
Eigentlich war es egal, was Anna fehlte, spätestens wenn er diesen offensichtlich kniffligen Fall gelöst hatte, würde sie in seiner Hand zerlaufen wie Butter in der Sonne.
Nachdem er die Tasse leer getrunken hatte, fühlte er sich etwas besser.
Der Kaffee war ungewöhnlich stark, außerdem trank Josh ihn eigentlich nur mit viel Milch und Zucker. Seine Kollegen fragten ihn immer, wieso er das Kaffee trinken nicht gleich lassen würde, wenn er doch sowieso die halbe Tasse mit Milch und Zucker füllte.
Normalerweise würde er jetzt schon im Bett liegen, aber heute blieb dafür keine Zeit. Da draußen wartete eine wunderschöne Frau auf ihn, und um an diese heran zu kommen, musste er den mysteriösen Mord aufklären, auch wenn andere bereits schliefen.
Das Koffein lichtete den Nebel in seinem verschlafenen Gehirn wieder.
Schon bald fühlte er sich geistig wacher, wenn ihm auch alle Knochen weh taten.
Mit einer zweiten Tasse Kaffee setzte er sich an seinen Laptop und öffnete Bing, um nach ähnlichen Mordfällen zu suchen, oder zumindest nach unbekannten Möglichkeiten, Spuren verschwinden zu lassen.

Draußen in den Bergen war es schon fast dunkel. Dan stapfte mit einer Taschenlampe durch den kalten unterirdischen Betonklotz.

Im Labyrinth der Bretterwände angekommen, fixierte er die hinterste Tür mit dem großen Lichtkegel der Lampe. Während er zielstrebig darauf zuging und das Licht immer kleiner wurde, streifte sein Blick auch die restlichen Räume, beziehungsweise die Bretterwände, die diese umgaben.
Nur uralter Plunder. Diesen Müll muss ich unbedingt entsorgen. Mama wäre empört., schalt er sich.
Bis er schließlich vor der maroden Holztür ankam, war er mehrfach in irgend welchen Dreck getreten, den er hier hatte herumliegen lassen. Seine Keller hielt er nicht besonders sauber, weder den in den Xabour Hills, noch den im alten Altbau seiner verstorbenen Mutter. Unvermittelt fiel ihm auf, dass seine beiden Keller nahezu identisch aussahen. Außer dass der in den Hills um einiges mehr Fläche darbot und im Gegensatz dazu im Altbaukeller keine Leichen vergammelten.
Beim Gedanken an die beiden toten Frauen unter seinem Haus zuckte er die Schultern und schloss eine dicke Stahltür auf. Die schwere Tür schwang auf und ein kalter Luftzug fuhr durch seine Knochen. Dan zitterte. Dass es hier unten immer so kalt sein musste.
Mit schmerzendem Herzen wandte er sich um und ging noch einmal hinauf ins Haus.
Im Wohnzimmer schnappte er sich ein paar alte Wolldecken und schmiss sie neben die Tür zur Abstellkammer. Draußen rannte er zu seinem Holzdepot gegenüber des Hoftors, die Kapuze seines smaragdgrünen Pullovers tief ins Gesicht gezogen. Der Himmel verschlang jegliche Sonnenstrahlen mit seinen pechschwarzen Wolken, dicke Regentropfen prasselten wie ein Kugelhagel auf die Erde.
Dan zitterte, während er einige Holzstücke mit schnellen Schritten nach drinnen trug, um diese zu den Decken zu werfen. Dann kramte er in einer der Küchenschubladen nach einer Packung Streichhölzer, lud alles auf seine Arme und stieg mit wackligen Schritten wieder in den Keller hinab.
Dort zog er Meredith' Leiche hinter einer Burg aus verstaubten und zerknickten Kartons hervor und wickelte sie aus.
„Schwesterchen.“ In Dan's Augen funkelten Tränen. „Es wird alles wieder gut, das verspreche ich dir.“
Dan fuhr sich mit dem Ärmel über die nassen Augen und legte ein paar der dicken Wolldecken über den starren, weißen Körper vor sich.
„Das wird dich schön warm halten.“
Dann kniete er sich hin, vor ihre Brust und senkte sein Ohr auf die Stelle, an der ihr Herz war und stellte sich vor, wie stark es einmal in seiner Schwester einmal geschlagen haben musste.
Ein bisschen erfüllte es ihn mit Trauer, aber wichtiger war die Gewissheit, dass es bald wieder in ihr tanzen würde. Bewunderung stieg in Dan auf, Bewunderung für die stete Stärke und seiner einzigen Schwester, und Bewunderung für ihre Vernunft.
Sie hatte den Tod ihrer Mutter überstanden, weil sie stark war. Und weil sie Vince hatte.
Vince...
Dan hob den Kopf und setzte sich auf den kalten Boden. Wie es dem armen Kerl wohl ging?
Es tat im alles unendlich Leid, er hatte so viele guten Menschen verletzt, um sein eigenes Leben zu retten. Aber er bereute es nicht, lieber würde er die nächsten zwanzig Jahre seines Lebens verhasst, als zu sterben.
Dan selbst schien das komplette Gegenteil von Meredith zu sein. Er war schwach, ein Haufen nichts ohne seine Trips. Aber auch das würde sich schon bald ändern, da war er sich sicher.
Die ganze Zeit hatte er es nicht gespürt, aber nun kroch die eisige Kälte der Betonmauern seinen Rücken hoch, die Schauer brannten sich in seine Haut.
Wieder zitterte er, bevor er sich schließlich erhob und einen Kartonstapel ganz hinten in der Ecke beiseite räumte.
Er hatte gerade die ersten beiden der vier Reihen herunter genommen, da stockte ihm der Atem.
Dan's Augen weiteten sich unnatürlich weit, sie schienen fast aus den Höhlen zu springen.
Das hatte ihm gerade noch gefehlt, das war doch ein schlechter Witz?
Alles, was er vorfand, war ein Haufen nichts. Da wo vor wenigen Stunden noch Catherina's Leiche gelegen hatte, war nur noch ein nasser Wasserfleck vom Regen auf dem Boden.
Verdammte Scheiße!
Dan wurde fuchsteufelswild.
Das war doch unmöglich, Catherina war tot! Wie hätte sie denn weg rennen sollen? Und verdammt, wenn sie noch gelebt hätte, eine Chance hier unten raus zu kommen, hätte sie doch gar nicht gehabt!
Dicke blaue Adern traten auf Dan's Stirn hervor, während er wütend einen Karton nach dem anderen gegen die Wand trat.
Er schrie wie wild und tobte durch den Raum, in den Tiefen der Erde konnte ihn jedoch niemand hören.
Es dauerte einige Minuten, bis er sich ein wenig beruhigt hatte.
Ich hab keine Zeit, mich aufzuregen. Ich muss sie wieder holen., schoss es ihm durch den Kopf.
Mit diesem Gedanken im Vordergrund rannte er nach draußen, steckte den Schlüssel in sein Auto und heizte wenig später über den leeren Feldweg, der unterhalb der Steinwand begann, die sein Haus vor neugierigen Blicken schützte.

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