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Kapitel 4 Fast wie Klebeband...

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Kapitel 4 Fast wie Klebeband...

Beitrag von Moni am Fr 11 Okt - 21:42

Müde betrat Dan sein kleines Häuschen in den Xabour Hills.
Eigentlich könnte er schon seit einer halben Stunde im Bett liegen, würde er nicht immer um diese Wände aus Bergen fahren müssen.
Hier würde niemand nach Menschen suchen, zum Fahren waren diese Wege und Wiesen nicht geeignet, für Extremsportler hingegen waren sie zu langweilig. Perfekt also für Dan, sein kleines Heim würde bis auf den Lastwagenfutzi kein Mensch entdecken. Für die Sache mit der Post hatte er sich etwas Schlaues ausgedacht. Nachdem Mary Steelers ihrem Krebsleiden erlag, hatte sie ihm das Haus vererbt, in dem er groß geworden war. Er bewohnte es nicht, es stand leer. Der Briefkasten jedoch, war immer voll mit Briefen, adressiert an Dan Steelers.
Das einzige Risiko, dass er einging, war dass er ein Telefon besaß.
Trotzdem ging er nicht davon aus, dass ihm irgend jemand auf die Schliche kommen könnte, immerhin waren sie alle Profis in dem, was sie taten. Niemals würde jemand dahinter kommen, dass Dan seine Antiquitäten illegal bezieht und verkauft und nebenbei noch Drogen mit schmuggelt.
Geschafft von der Arbeit und dem ganzen Gefühlschaos setzte er sich einen reichlichen Schuss und fiel zehn Minuten später erschöpft und vernebelt in sein leeres Bett, dass dank des Heroins noch leerer und kälter wirkte als sonst. Bis kurz vor dem Einschlafen ließen ihn die Gedanken an Catherina nicht los und auch in seinen Träumen blieb er ihnen ausgeliefert. Nachdem er sich einen weiteren, kleinen Schuss gesetzt hatte, schlief er schnell ein. Sicher lag es auch ein wenig an dem anstrengenden Tag, der hinter ihm lag. Heute musste er an die zwanzig Mal ausrücken, bevor er überhaupt ansatzweise dazu kam, seinen Papierkram zu erledigen.



Um viertel vor neun hielt Richard vor einem etwas heruntergekommenen Häuserblock in South Brooks. Catherina öffnete die Autotür und bedankte sich bei ihrem Kollegen. Sie winkte kurz, als der graue Mercedes zurück auf die Straße fuhr. Special Officer... und dieser Mercedes, pff.
Catherina war zu müde, um sich lange über ihren Kollegen aufzuregen.
Mit der Zigarette in der Hand stapfte sie durch die weiß gefliesten Flure und drückte am anderen Ende des Blocks schließlich auf den Knopf, der den Fahrstuhl herunterholte.
Wie sie sich auf ihr Bett freute.
Während sie wartete bis der Aufzug da war, fiel ihr ein, dass sie Kitson heute gar nicht gesehen hatte. Für gewöhnlich ging ihr Chef ihr jeden Tag auf die Nerven, indem er sie mit Bergen von Akten beschäftigte. Manchmal kam er auch nur in ihr Büro, um ihr einen dummen Spruch rein zu drücken. Er mochte sie nicht, aber sie konnte ihn auch nicht ausstehen. Cath konnte nur beten, dass er ihre Weiterbildung genehmigen würde.
Sie bräuchte sich eigentlich gar keine Sorgen zu machen, das wusste sie. Kitson war zwar ein geldgieriger Mensch, deswegen wäre er wohl kaum begeistert davon, die Kosten für ihre Weiterbildung tragen zu müssen, aber dies war gar nicht nötig, denn Cath hatte ein Ass im Ärmel.
John Memphis, ihr Fahndungsberater.
Er hatte ihr damals versprochen, sich für sie einzusetzen, wo er es konnte.
Und würde Kitson einer Weiterbildung aufgrund der Kosten entgegen stehen, würde sie diese eben selbst übernehmen. Sie müsste nur beurlaubt werden und sie kannte ihren Chef, er fraß John bedingungslos aus den Händen. Warum das so was, dass wusste Catherina nicht.
Aber sie wollte es auch gar nicht wissen, es reichte ihr, dass sie auf jeden Fall gewinnen würde.
Bald wäre Schluss mit Officer Snuff, bald würde es nur noch Sergeant Snuff geben.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Türen des Aufzugs endlich öffneten. Catherina drückte auf
den Knopf in den sechsten von insgesamt zehn Etagen und lehnte sich gegen die Spiegelwand.
Der Aufzug fuhr los, plötzlich verspürte sie ein Knurren im Magen. Sie hatte heute Morgen bei Dan das letzte Mal etwas gegessen und sie war sich ziemlich sicher, dass ihr Kühlschrank wie immer gähnend leer sein würde.
Und da sie, auch wenn sich eindeutige Unterschiede abzeichneten, im Grunde genommen eben doch wie alle anderen allein wohnenden war, kochte sie nicht jeden Abend, für sie alleine war das zu viel Aufwand.
Also schmiss sie ihre Schlüssel auf den Schuhschrank im Flur, griff zum Telefon und bestellte sich eine Pizza.
Dann pellte sie sich aus ihren Dienstklamotten und sprang unter die warme Dusche.



Eine viertel Stunde später, Cath hatte sich gerade ihren Schlafanzug angezogen, klingelte es an der Tür.
Das muss die Pizza sein.
Cath's Magen machte schmerzhafte Freudensprünge, sie ignorierte es und ging zielstrebig auf die Haustür zu.
Doch es war nicht der Pizzabote, der sie erwartete.
Überraschenderweise stand Dan vor ihrer Tür.
Woher hatte er ihre Adresse?
Sichtlich überrumpelt starrte sie ihn einen Augenblick lang an, bevor sie ihn schließlich mit einem kurzen „Hay“ grüßte.
Am liebsten wäre sie im Boden versunken oder vom Wind sonst wo hin geweht worden. Sie wäre überall lieber gewesen als zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort.
Nun stand er da und er erwartete anscheinend allen Ernstes auch noch, dass sie ihn hereinbat.
Eine wohlige Wärme übermannte sie, mit einem Mal kam es ihr vor, als würde sie sich selbst von Außen sehen. Sie hatte den selben Ausdruck im Gesicht wie Dan, es war ein „Ich bin unsterblich in dich verliebt – Blick“.
Dan säuselte ein kurzes „Hay“ zurück, bevor er sie wieder stumm ansah.
Cath sah sich wieder, wie sie neben ihm stand und ihn ansah, unfähig ihn zurück zu weisen.



Nur ein paar Augenblicke später war es geschehen. Dan saß auf ihrem alten, braunen Sofa und kippte einen Jim Beam nach dem Anderen. Cath nahm mit ihrer Pizza und einer Flasche Cola vorlieb, zumindest für den Moment. Sie wusste, dass es unausweichlich war, sie würde wieder mit ihm schlafen. Er war zu stark, sie liebte ihn wirklich. Weg zu rennen, war aussichtslos, er würde sie mit spielerischer Leichtigkeit wieder einfangen. Kurz dachte sie darüber nach, ob er sie wohl genau so sehr lieben würde, aber im Grunde verrieten sein Blick und die Art, wie er mit ihr umging, mehr als genug. Er wartete geduldig, bis sie aufgegessen hatte.
Wenig später lag sie in seinen Armen, der DVD- Player spielte Endless Love ab. In diesem Moment und auch in den tausenden folgenden Momenten, in denen der Film lief, verschwendete keiner der
Beiden auch nur einen Gedanken an Morgen und an die Befürchtung, einen Fehler nach dem anderen zu begehen und nicht mehr damit aufhören zu können.


Noch bevor der Abspann zu Ende war, flogen die ersten Kleidungsstücke durch das Schlafzimmer im Apartment 23 im sechsten Stock des großen Häuserblocks. Catherina war anfangs ein wenig mulmig zu Mute, sie würde es bereuen, das wusste sie. Aber heute Abend war es ihr egal, sie hatte einen miesen Tag und ein bisschen Ablenkung konnte sie gut brauchen.
Nur noch ein einziges Mal, dann würde sie ihn hinter sich lassen, das versprach sie sich, auch wenn es ihr weh tat und sie im Grunde wusste, dass sie ihn niemals wieder los lassen würde.
Für Cath war es unglaublich, mit welcher Vorsicht er ihre Haut berührte, fast als fürchte er, sie könnte unter seinen Händen zerbrechen.
Es tat gut, seine warmen Hände auf ihrem Körper zu spüren, alle Lasten fielen von ihr ab, mit einem Mal war alles, was in ihrem Leben jemals schief gelaufen war, nur noch ein Schatten, ein Schatten der immer mehr verblasste und schließlich von den warmen Sonnenstrahlen der Geborgenheit vertrieben wurde.


Über eine Stunde lag sie da, den Kopf an seine Brust gelegt und seinen Arm um sich. Dann schlief sie ein. Dan betrachtete sie noch eine ganze Weile und lauschte zufrieden ihrem leisen Schnarchen.



Kurz nachdem die ersten Sonnenstrahlen Catherina's Haut kitzelten, wachte sie auf.
Sie wandte sich zu Dan, der noch schlief und leise irgend etwas unverständliches säuselte.
Was machst du denn nur mit mir?
Langsam dämmerte ihr, dass sie den Kampf verloren hatte.
Ihr Verstand lag blutüberströmt am Boden, ja, er hatte verloren. Ihr Herz hatte gesiegt.
Trotz der mächtigen Angst, erneut verletzt zu werden, nun würde sie endgültig aufhören sich zu wehren, denn es hatte einfach keinen Zweck. Er war wie eine Droge für sie.
Sie drückte Dan einen Kuss auf die Stirn, bevor sie aufstand und sich hinaus auf den Balkon stellte.
In der Hand hielt sie eine Zigarette.
Plötzlich wurde sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Die ganzen Jahre hatte sie sich erfolgreich dagegen gewehrt, alles schien vergessen.
Aber jetzt konnte sie alles so klar sehen, als wäre es erst gestern gewesen.
Da war Mason, wie er mit dieser Lisa vor der ehemaligen gemeinsamen Wohnung stand. Cath im Türrahmen, Lisa in Mason's Arm. Die Beiden wollten noch ein paar Sachen abholen.
Catherina konnte Mason niemals richtig böse sein, Lisa war eine bildhübsche Frau, so viel hübscher als sie. Und doch tat es weh. Das war das erste Mal, dass ihr jemand so weh getan hatte und sie schwor sich, dass ihr niemand je wieder etwas antun könnte. Und nun... nun gab es ihn. Dan.
Sie kam nicht mehr von ihm los, das wunderte sie nicht einmal sonderlich, er war in ihrer Gegenwart wirklich schrecklich aufmerksam und nett. Was sie aber wunderte, war dass sie nur anfangs ein paar kleine Zweifel gehegt hatte, was ihn angeht. Nun aber, seit etwas mehr als achtundvierzig Stunden, länger kannten sie sich noch nicht, war sie sich so sicher wie nie, dass er der Richtige für sie war. Wie er wohl darüber denkt?
Das ging alles viel zu schnell, eine Achterbahn die außer Kontrolle geriet. Aber damit musste sie klar kommen, tief durchatmen gegen die Übelkeit die einen überfällt, wenn man mit solch einer Geschwindigkeit von Seite zu Seite geschleudert wird.
Mittlerweile ging es nur noch ums Überleben, überleben mit ihm. Sie würde mit ihm leben, da gab es keinen Zweifel. Vielleicht sollte sie die Vergangenheit einfach vergessen, begraben unter vielen schönen Momenten mit Dan. Sie könnten Eis essen gehen, einen Film im Kino ansehen, zusammen Familienfeiern besuchen, sie und er, für immer vereint.
Cath musste unwillkürlich lächeln, zufrieden blickte sie hoch in den Himmel und ließ die mittlerweile morgens schon heißen Sonnenstrahlen auf ihr Gesicht scheinen. Das Leben kann so schön sein. Jetzt fehlt nur noch meine Weiterbildung.
Ein Blick auf die Uhr ließ ihre Entspannung verfliegen. In einer halben Stunde musste sie in der Polizeischule in Bexter antanzen und sie wollte nicht schon am ersten Tag zu spät sein.
Nachdem sie Dan geweckt hatte, verschwanden sie beide im Bad und trafen schließlich gerade noch rechtzeitig an ihren Arbeitsstellen ein. Der Abschied verlief genau wie gestern, nur dass dieses Mal keiner der Beiden Anstalten machte, irgendwelche negativen Gedanken zu hegen.
Die folgenden Wochen verbrachten Dan und Catherina gemeinsam. Einmal übernachtete er bei ihr, einmal umgekehrt. Vergessen waren die Sorgen und die bösen Gedanken, die anfangs mit dem jeweils Anderen verbunden waren, zumindest für Catherina.
Dan jedoch hatte nicht nur einfach Angst, verletzt zu werden, nein. Er hatte größere Probleme, größere als er sich vorstellen konnte, wie sich noch zeigen sollte.

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