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Kapitel 8 Die nächste Runde

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Kapitel 8 Die nächste Runde

Beitrag von Moni am Mo 16 Dez - 8:20

Die ersten beiden Stunden ihrer Schicht bestanden nur aus Akten lesen, Anzeigen schreiben, Kaffee trinken und Zigaretten rauchen. Bisher hatte noch niemand an ihre Tür geklopft oder angerufen, was Catherina gerade recht kam. Eigentlich wollte sie sich auf die Sache mit dem roten Laster konzentrieren, auch wenn sie mittlerweile glaubte, sich nur etwas einzubilden. Das Problem jedoch war, dass sie dafür sorgen musste, dass es nicht auffiel, dass sie mit anderen Dingen beschäftigt war. Würden die restlichen Akten liegen bleiben, würde es nicht lange dauern, bis jemand etwas bemerkte. Es schien Tage zu dauern, aber dann endlich klingelte das Telefon. Catherina schreckte hoch, sie hatte nicht damit gerechnet und ihre Zigarette fast auf ihre Hose fallen lassen.
Catherina atmete tief durch, dann nahm sie den Hörer ab und grüßte mir einem schlichten „Hallo?“
Am anderen Ende der Leitung war eine Frauenstimme zu hören, zumindest klang es so.
Cath erkundigte sich höflich, wer denn am Telefon sei, doch die Stimme sprach unbeirrt weiter.
„Ich erwarte dich in drei ein halb Stunden auf dem Parkplatz des Bioladens um die Ecke, da wo die alten Schienen zum still gelegten Cortical Bahnhof enden. Und bring dein Handy mit. Keine Waffen.“ Catherina brauchte kurz Zeit, um über das nachzudenken, was die Stimme am Telefon zu ihr gesagt hatte, aber nach zwei Sekunden musste sie ihren Gedankengang einstellen und weiter lauschen. „Du musst keine Angst haben, es wird nichts schlimmes passieren. Ich will kein Geld von dir, ich will keinem deiner Angehörigen weh tun und ich will mich auch nicht an dir vergehen.“
Dann war die Leitung tot.
Catherina wippte unruhig auf ihrem Stuhl herum, sie konnte den Schweiß in ihrem Nacken spüren.
Was mache ich denn jetzt?
Keine Waffen, hallte es in ihrem Kopf.
Sollte sie es wirklich wagen, sich diesem Stalker unbewaffnet zu nähern?
Sie ging fest davon aus, es mit ihrem Verfolger zu tun zu haben, dennoch irritierte es sie, dass ihr Stalker wohl eine Frau sein musste.
Nach kurzem Zögern beschloss sie, die Anweisung ihrer Stalkerin nicht zu befolgen. Sie würde ihre Dienstwaffe irgendwo verstecken, damit es nicht zu offensichtlich war, dass sie sich nicht an die Aufforderung gehalten hatte.


Die folgenden drei Stunden gehörten zu den schlimmsten ihres Lebens, da war sie sich im Nachhinein sicher. Die Buchstaben auf dem Papier verschmolzen zu einer schwarzen Masse, mehr als dicke Klumpen konnte sie nicht mehr erkennen. Catherina rieb sich die Augen, leerte ihren wahrscheinlich tausendsten Kaffeebecher und öffnete ihre dritte Packung Zigaretten. Ihr Nacken war immer noch klitschnass, die notdürftige Dusche vorhin auf der Toilette hatte nur kurzzeitig geholfen. Catherina's Hände zitterten, sie konnte ihre Zigarette kaum halten.
Was wollte diese Frau von ihr?
Sie hatte gesagt, sie wolle kein Geld und sie wolle auch keinen ihrer Angehörigen verletzen.
Aber was war es dann?
Angestrengt ging sie im Kopf einige Dinge durch.
Ihr fiel beim besten Willen nichts ein, worauf irgend jemand hätte neidisch sein können.
Sie hatte so gesehen keine Familie, alle waren entweder tot oder redeten nicht mehr mit ihr.
Und auch an ihrem Job gab es nichts besonderes, sie war nach zehn Jahren noch immer eine gewöhnliche Streifenpolizistin.
Plötzlich regte sich in ihrem Kopf etwas, kurz bevor ein stechender Schmerz durch die Stelle fuhr, an der ihr Herz schlug.
Dan.
Sie musste es auf Dan abgesehen haben, anders konnte sie sich das Verhalten dieser Frau nicht erklären.
Vielleicht ist sie eine Ex von ihm, oder ein One Night Stand, der sich mehr erhofft hat, enttäuscht wurde und ihn nicht los lassen kann.
Eigentlich war der Grund völlig egal, die Tatsache an sich jagte Cath schon genug Schauer über den Rücken.
Sie riss sich mit einem Schnaufen zusammen, setzte sich gerade hin und zündete sich die nächste Zigarette an.
Plötzlich erschien es ihr fast schon lächerlich, dass sie sich die ganze Zeit über gefürchtet hatte.
Unvermittelt erinnerte sie sich an die Situation in ihrer Wohnung, als sie eine SMS von ihrer Stalkerin bekam.

"Dafür ist es zwar noch ein bisschen früh, aber bis die Zeit gekommen ist, bitte ich dich, den gestreiften BH den du gerade mit in die Dusche genommen hast, wieder zurück zu legen und den mit den roten Spitzen zu nehmen. Der sieht einfach schöner an dir aus.
Auch wenn ich zugeben muss, dass nicht einmal ein Müllsack besonders schlimm an dir aussehen würde."


Sollte es wirklich auch noch so sein, dass diese Frau auf sie flog? Cath konnte sich nichts anderes vorstellen, immerhin hatte sie in ihrer E-Mail von Kindern geredet und davon, dass sie ihr Schicksal wäre.
Krank so was...
Diese Vermutung barg natürlich eine neue Frage. Wie konnte diese Unbekannte eine Verflossene von Dan sein und es gleichzeitig auf sie abgesehen haben?
Wahrscheinlich geht es ja gar nicht darum, ihn von mir fernzuhalten, sondern umgekehrt.
Augenblicklich strömten tausende wirre Gedanken in ihren Kopf, es schmerzte heftig.
Catherina hielt sich den Kopf, während sie daran dachte, dass ihre Stalkerin Dan erzählt haben könnte, dass sie und Cath etwas miteinander hätten und er jetzt sauer war. Oder noch schlimmer... dass sie ihn entführt hatte.
Sie schüttelte sich entrüstet und drückte ihre Zigarette im Aschenbecher aus, den sie in einer ihrer Schreibtischschubladen versteckt hatte.
Ein Blick auf die Uhr ließ sie seufzten. Mittagspause...
Catherina erhob sich von ihrem Stuhl, steckte die Zigarettenschachtel auf der Tischplatte in ihren Hosensack und schnappte sich ihren Pistolengurt mit der Glock 17 vom Kleiderhaken hinter der Tür.

Es dauerte knapp zwanzig Minuten, bis sie schließlich den kleinen Bioladen in der Market Street erreicht hatte. Mit dem Auto wäre es wohl um einiges schneller gegangen, aber ein bisschen frische Luft konnte Catherina jetzt allemal gebrauchen.
Cath lief wie in Zeitlupe in Richtung des Parklatzes, der sich hinter dem Laden befand. Ihre Knie zitterten, ihr ganzer Körper fühlte sich verschwitzt an. Die Stimmen in ihrem Kopf schrien, befahlen ihr verzweifelt, weg zu rennen, aber Cath konnte den Impuls mit Mühe unterdrücken.
Nach einem vorsichtigen Blick um die Ecke stellte sie fest, dass die Frau noch nicht da zu sein schien. Catherina kam sich vor wie ein Raubtier, dass auf Beute wartete. Witzig, immerhin war es eigentlich genau anders herum.
Wieder zwängten sich böse Gedanken in den Vordergrund, sie ließen sich wie eine dicke Staubschicht auf einem Glasregal auf ihrem Gehirn nieder.
Catherina schüttelte sich, atmete mehrmals tief durch und trat schließlich hinter der Ecke hervor, ganz langsam und bedächtig. Nach einem Blick in alle Richtungen zwang sie ihre Füße, weiter zu gehen, Schritt für Schritt, ganz langsam.
Gehen, umsehen. Gehen, umsehen.
Schließlich stand sie vor den Überresten der alten Eisenbahngleise, genau da wo die mysteriöse Anruferin sie haben wollte.
Ihr wurde noch mulmiger zumute. Was wenn diese Frau sich irgendwo versteckt hielt und irgend ein perfides Spielchen mit ihr trieb?
Nachdem weitere fünf Minuten vergangen waren, blickte Catherina sich nervös um. Die Gegend hier war echt das Letzte. Der Boden war nahezu unfruchtbar, überall lag Müll herum und auch der kleine Bioladen war mehr als unnötig. Soweit Cath wusste, stand dieses halb kaputte Gebäude nur noch hier, weil die Besitzerin, eine alte Frau, zu stur war, ihr Geschäft dicht zu machen. Sie ging davon aus, dass ihre Stammkunden sich schon nicht von den Äußerlichkeiten beeinflussen lassen würden. Sicher führte sie diesen Laden schon seit vielen vielen Jahren, früher musste es hier um einiges schöner ausgesehen haben.
Cath's Körper begann erneut zu zittern, sie versuchte es mit aller Kraft zu unterdrücken.

Diese blöden Dornen!
In gebückter Haltung hielt Dan sich hinter einer giftgrünen Rosenhecke versteckt. Die dunkelroten Blüten waren allesamt eingegangen und fielen eine nach der anderen zu Boden.
Amüsiert betrachtete er seine Angebetete, die nun zu seinem letzten Opfer werden würde.
Ein Augenpaar fehlte ihm noch, dann könnte er sein Meisterwerk vollbringen.
Dan musste grinsen, als er Catherina's Zittern bemerkte. Sie konnte es also doch nicht unterdrücken.
Seine Hand schloss sich um das Messer in seiner Hosentasche. Er stellte sich vor, wie er es ihr in die Brust rammte, ihr Herz durchstieß und sie in seine Arme glitt.
Jetzt noch nicht. Nicht.
Mit einem tiefen Grummeln erhob er sich und trat langsam hinter der Hecke hervor.
Catherina fuhr erschrocken herum, Dan war auf einen kleinen Ast getreten.
Er hielt die Luft an, ebenso wie Cath.
Beide blickten sich nur an, keiner bewegte sich.
Dan wollte auf ihre Reaktion warten, er durfte jetzt nichts überstürzen.
Es verging eine ganze Weile, bis Catherina sich endlich aus ihrer Starre löste und das Schweigen brach.
„Wa-Was machst du hier?“, fragte sie mit zittriger Stimme. „Wo warst du die ganze Zeit?“
Dan brachte sein ganzes schauspielerisches Talent auf, um überzeugend zu wirken.
„Dass ist eine lange Geschichte.“ In seiner Stimme schwang gespielte Wehmut mit.
Catherina starrte ihn nur an, sollte das etwa alles sein?
Sie wäre fast gestorben, lag im Krankenhaus und wurde von einer perfiden Stalkerin verfolgt.
Dann endlich tauchte Dan wieder auf und alles was er zu sagen hatte, war  „Das ist eine lange Geschichte.“?
Sie spüre die Wut in ihr hochkochen, sie wollte eine vernünftige Erklärung.
Dan musste an ihrem Blick gesehen haben, dass sie sauer war, denn er unternahm einen Versuch, sie zu beruhigen.
„Liebes...lass uns ein Stück gehen, ich werde dir alles in Ruhe erklären.“
Catherina dachte an die Stalkerin, die ihr beauftragt hatte, sie hier zu treffen. Nach kurzem Zögern entschloss sie sich, Dan später davon zu erzählen.
Das ist sowieso besser so. So kann ich dieser Durchgeknallten zeigen, dass sie mich nicht kontrolliert.
Cath war nicht dazu in der Lage, ihrem wieder aufgetauchten Freund übertriebene Zärtlichkeiten zukommen zu lassen, sie nahm nicht mal seine Hand. Die beiden gingen schweigend in Richtung des alten Cortical Bahnhofes, dabei wirbelten sie den blassgelben Sand auf, der sich hinter ihren Schritten als Staubwolke entlud.
Catherina wunderte sich, wieso führte er sie so weit in den Bahnhof hinein?
Sie blickte ihm ins Gesicht, Dan lächelte verschmitzt. Catherina bemerkte diese kleine Geste, die vielleicht ihr Leben retten könnte, nicht. Für sie sah es eher nach einem teils freundlichen, teils entschuldigenden Lächeln aus.
Schweigend folgte sie Dan, der sie schließlich in die alte Wartehalle führte.
Cath blieb stehen und blickte sich um.
An den meterhohen Wänden hingen Unmengen an Spinnweben, die nur so vor Staub strotzten. Und auch der Rest der Halle sah mehr als unansehnlich aus. Die wenigen Holzbänke, die willkürlich verteilt im Raum standen, waren eindeutig moderig, die restlichen sahen aus wie Scheiterhaufen, lose Bretter auf dem Boden, zu einem Stapel zusammengeschoben. Auch an der riesigen Bahnhofsuhr im Zentrum der Halle hatte der Zahn der Zeit genagt, die Zeiger standen still.
Gedankenverloren zeichnete Catherina in ihrem Kopf ein Bild des alten Wartebereichs. Sie sah die gold schimmernde Fassung der Riesenuhr, die harten aber immerhin stabilen Holzbänke und einen frisch gebohnerten blass grünen Linoleumboden.
Dan riss sie aus ihren Gedanken, er hatte ihre Schulter berührt. Cath war diese Berührung seltsam unangenehm, dennoch ließ sie sich zu einer der hölzernen Bänke schieben. Dan drückte sie sanft herunter, Catherina konnte die Bank knarren hören, als sie sich darauf niederließ.
Dan selbst blieb vor ihr stehen und sah zu ihr herunter. Catherina blickte ihn erwartungsvoll an.
„Erst einmal will ich dir sagen, wie schrecklich leid es mir tut, dass ich mich nicht bei dir gemeldet habe.“
Catherina lief rot an. Konnte er ihr nicht endlich erzählen, was los war?
Plötzlich sprudelte es nur so aus ihr heraus. Sie berichtete ihm schluchzend von der Stalkerin, die sie schon seit Wochen verfolgte und von ihrer Angst, er könnte entführt worden sein.
Ihre Stimme wurde mit jedem Wort leiser, bis sie schließlich verebbte.
Dan blickte sie einen Moment an, dann erwiderte er:“ Das dachte ich mir. Ich denke, es ist nun an der Zeit, dir alles zu erzählen.“
Catherina blickte ihrem Liebsten in die Augen, mit einem Mal packte sie Angst.
Sie war sich nicht mehr sicher, ob sie es wirklich wissen wollte.
Entschlossen schluckte sie den Kloß in ihrer Kehle herunter und zwang sich, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Dan begann zu erzählen.
„Vor einigen Jahren bin ich einmal mit einer Frau ausgegangen, Rosalie.
Ich hatte sie an einer Hotelbar auf gegabelt und wir waren ein paar Mal Essen gegangen. Du kannst dir ja sicherlich vorstellen, dass es nicht nur beim Essen geblieben ist. Mit der Zeit wurde sie mir aber zu aufdringlich, ich glaube sie hat da zu viel rein interpretiert. Ich habe den Kontakt zu ihr dann abgebrochen, da ihre Annäherungsversuche nicht nachließen. Wir haben uns seit über drei Jahren nicht gesehen, aber sie trauert mir trotzdem noch nach. Ich habe sie getroffen, sie hat mir erzählt, dass sie uns beide zusammen gesehen hat und mir geschworen, sie würde dich aus dem Weg schaffen. Dann war sie einfach davon gerannt, ehe ich etwas tun konnte. Ich hätte nie gedacht, dass sie es Ernst meint, dass musst du mir glauben!“
Catherina hatte die ganze Zeit die Luft angehalten, mit einem Mal atmete sie laut aus.
Dan wartete keine Antwort ab, sondern redete weiter.
„Völlig unerwartet ist sie mir dann ein weiteres Mal begegnet, sie hatte stundenlang vor der Schlüsseldienstzentrale gewartet, bis ich Feierabend hatte. Ich habe sie natürlich sofort erkannt und bin auf die andere Straßenseite, um sie zu fragen, was sie denn immer noch hier wollte. Und dann war es passiert. Irgend ein bulliger Typ, wahrscheinlich ein Kumpel, hatte mich von hinten gepackt und mich in den Kofferraum ihres Autos geschleppt. Über eine Woche habe ich in ihrem Haus in einem kalten, feuchten Keller verbracht, bis ich durch eines der Fenster fliehen konnte.
Und na ja, nun bin ich hier. Ich dachte es sei sicherer, den Weg über den Cortical Bahnhof zu nehmen, ich wollte nicht, dass sie mich draußen auf der Straße sieht. Und dann habe ich dich gesehen.“
Catherina schien kurz ungläubig, aber kurz darauf konnte Dan eine kleine Träne an ihrer Wange glitzern sehen.
Ist zwar nur eine spontan zusammengereimte Geschichte, aber trotzdem eine erstaunlich gute.
Dan musste innerlich grinsen.
Catherina rang nach den passenden Worten und begann schließlich einfach zu erzählen, ohne zu wissen, was sie sagen wollte.
„Oh, Dan. Wir müssen sofort zurück zum Polizeirevier und eine Anzeige schreiben!“
Cath erhob sich hektisch und packte Dan am Arm, um ihn mit sich zu ziehen.
Dieser hielt sie jedoch fest und wehrte ihr Vorhaben mit einem „Dass ist nicht nötig.“ ab.
Catherina blickte ihm entgeistert in die Augen.
„Sag mal, spinnst du? Dieses Biest hat dich entführt und gegen deinen Willen festgehalten! Und mich hat sie wochenlang terrorisiert! Wir gehen jetzt sofort zur Polizei!“
Dan ließ seine Freundin los, diese wollte erneut nach seinem Arm greifen. Er tat jedoch einen Schritt zur Seite, sodass sie ins Leere griff.
„Was soll das denn, Dan?“
Catherina wurde fuchsteufelswild und schrie durch die Gegend.
Dan fasste in seine Hosentasche, zog ein kleines Klappmesser hervor und hielt es hinter seinem Rücken versteckt, um es zu öffnen.
Cath bemerkte davon nichts, sie gab sich voll und ganz ihren Wutausbrüchen hin.
Dan tat einen Schritt auf sie zu, plötzlich war es leise in der Halle.
„Catherina, Liebes...“. Seine Stimme klang traurig. „Es tut mir wirklich Leid. Aber es wird nur vorübergehend sein, dass verspreche ich dir.“
Catherina blickte ihm erneut in die Augen, dieses Mal verwirrt.
„Was meinst du-“
Ein markerschütternder Schrei drang aus ihrer Kehle, dann glitt sie behutsam in die Arme ihres Liebhabers.
Dan hatte ihr das Klappmesser mit aller Kraft in die Brust gerammt, mitten ins Herz.
Es dauerte nur wenige Sekunden, dann war sie bewusstlos geworden.
Plötzlich vernahm er Stimmen von draußen.
Scheiße.
Dan zog das Messer aus Cath's Brust und wartete angespannt, den Blick zum Eingang gerichtet.
Mehrere lange Schatten tauchten auf dem Boden vor ihm auf, dann konnte er eine kleine Gruppe Jugendlicher ausmachen, die nun das Linoleum betraten. Es waren nicht viele, vier Stück, und sie waren offenbar zugedröhnt.
Gerade eben hatten sie noch gelacht, nun blieb ihnen dieses Lachen beim Anblick der am Boden liegenden Catherina jedoch im Hals stecken. Erschrocken schlugen sie ihre Hände vor die Münder und starrten Dan entgeistert an. Dieser haderte mit sich, überlegte ob er diese Störenfriede einfach auch umlegen sollte, erinnerte sich aber plötzlich wieder daran, dass er das auf keinen Fall tun durfte. In dem Internetbericht des Voodoorituals hatte er gelesen, dass ausnahmslos alle Menschen, die er jemals getötet hatte, durch den Wiederbelebungszauber auf die Erde zurück kehrten. Catherina und seiner Schwester würde er schonend beibringen, wieso er das getan hatte, diese Jugendlichen jedoch würden nicht zögern, ihn sofort anzuzeigen.
Keiner der Jungen tat eine Bewegung, sie standen nur mit zitternden Beinen da und sahen ihn aus nassen Augen an.
„Bitte tu uns nichts.“, meinte einer schließlich kleinlaut und von heftigen Zuckungen begleitet.
Dan blickte einen nach dem anderen an.
„Ihr seit Junkies. Was habt ihr dabei?“
Der eine, der gerade eben schon geredet hatte, stotterte: „Marihuana, etwa drei Gramm.“
Dan schürzte die Lippen, dieses Zeug war für Memmen. Aber er hatte es jetzt dringend nötig, etwas zu relaxen.
„Her damit, dann könnt ihr gehen.“
Der Junge holte ein braunes Päckchen aus seiner Jackentasche, legte es auf den Boden und kickte es in Dan's Richtung.
„Und dass ihr mir ja euer Maul haltet! Ich warne euch, ich bin dazu in der Lage, jeden von euch einzeln zu zerpflücken!“
Die Drohung schien Wirkung gezeigt zu haben, denn die vier Jungs nickten nur, bevor sie sich heulend aus dem Staub machten.
Dan hob das kleine Päckchen vom Boden auf und riss das braune Papier ab.
Praktischerweise waren in dem kleinen Karton bereits fertige Joints, so ersparte er sich den Gang in den Supermarkt, um Papierchen zu holen.
Mit einem Joint zwischen den Lippen kramte er in Catherina's Taschen nach einem Feuerzeug.
In den Hosentaschen konnte er nichts finden, aus ihrer kleinen Umhängetasche fischte er jedoch ein Feuerzeug. Cath hatte auch ihre Waffe darin versteckt, aber das interessierte ihn nicht.
Ihm war von Anfang an klar gewesen, dass sie nicht unbewaffnet zu diesem Treffen kommen würde. Dennoch hatte es ihr am Ende nichts genützt.
Dan packte Catherina unter den Armen und schliff sie nach draußen, um sie über die still gelegten Gleise bis zu einer hoch bewachsenen Wiese zu ziehen. Dort hatte er seinen Wagen abgestellt, die Leiche verstaute er im Kofferraum.
Auf den ersten Blick unbeschwert ließ er sich auf den Fahrersitz fallen und startete den Motor.
In seinem Inneren war es jedoch ziemlich unruhig, tausende Gedanken schwappten in ihm herum, es war wie ein Schiff, dass auf rauer See von tosenden Wellen attackiert wird.

Zuhause in den Xabour Hills angekommen, dämmerte es bereits. Die Wolken zogen dünne rote Streifen über den Himmel, als Dan den Kofferraum öffnete, Catherina heraus hievte und schließlich angestrengt schnaufte.
Seine Hände zitterten, während er Cath in den Keller schliff.
Er war heute besonders angespannt, immerhin hatte er gerade seine Freundin getötet.
Sobald er fertig wäre, würde er sich noch einen Schuss setzen, so viel stand fest.
Und gleichzeitig würde er damit hinter eine seiner Grenzen treten, die Nicht mehr als fünf Dosen am Tag – Grenze.
Aber dass war ihm egal, denn er wusste, dass es nicht anders ging. Nicht an diesem Abend.
Außerdem spielte das jetzt sowieso keine Rolle mehr, sobald seine Mutter wieder hier wäre, hätte er das nicht mehr nötig. Er würde es dann nicht mehr brauchen, er war nicht süchtig. Das konnte er sich leichter einreden als einzusehen, dass er Hilfe benötigte. Und es würde nicht mehr lange dauern, dann hätte er die Welt gerettet, seine Welt.

Später in der Küche lag er unmenschlich verrenkt auf der Eckbank, sein halber Körper hing schlaff auf den hellen Marmorfliesen, die Kälte musste seine Haut zerfressen, aber er nahm es nicht wahr.
Er dachte nur an seine Mutter, an Meredith und seine Catherina. Sein Blick fiel auf die Tür zur Abstellkammer, unter der sich der geheime Keller befand. Beim Gedanken daran, dass die Frau seines Lebens dort unten zwischen alten Kartons und Spinnweben lag, stieg Wehmut in ihm auf. Nach kurzem Zögern beschloss er, sich bei ihr zu entschuldigen, eigentlich würde er ihr aber nun noch einmal weh tun müssen.

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