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Kapitel 10 Von Verrat und Täuschung

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Kapitel 10 Von Verrat und Täuschung

Beitrag von Moni am Do 27 März - 4:09

Es war immer wieder eine halsbrecherische Aktion, wenn er den schmalen Pfad zwischen Leben und Tod entlang schlich. Nur wenige Zentimeter von den Reifen entfernt tat sich ein tiefer Abgrund auf, niemals würde irgend jemand auf die Idee kommen, jemand wäre verrückt genug, diesen Weg zu begehen, geschweige denn zu befahren.
Aber für Dan war das gar nicht schlecht, ihm geschah es Recht, wenn alle dachten, hier oben wäre tote Hose. So wurde er wenigstens in Ruhe gelassen und niemand würde ihm auf die Schliche kommen. Das dachte er bis heute zumindest, aber irgend jemand wollte seinen Plan zunichte machen, da war er sich sicher. Anders konnte es gar nicht sein, außer man glaubt daran, dass tote Menschen zu Geistern werden und einfach mal so durch eine zentimeterdicke Stahltür fliegen, was Dan eindeutig nicht tat. Er war zwar verrückt, aber so verrückt nun auch wieder nicht. Wahrscheinlich noch viel schlimmer, so hätte ein Außenstehender es wohl kopfschüttelnd angemerkt.
Auch wenn er sich eigentlich konzentrieren musste, schweifte sein Blick immer wieder kurzzeitig zu den großen Steinformationen, die sich rechts von ihm zu einer furchteinflößenden Wand auftürmten.
Hier entlang zu fahren machte ihn heute noch nervöser als sonst, aber hätte er nach links hinunter in den Abgrund geblickt, wahrscheinlich hätte er sich übergeben.

Mit schmerzverzerrtem, aber doch irgendwie ausdruckslosem Gesicht und der linken Hand fest an die Brust gedrückt, taumelte Catherina durch den Wald, der sich kilometerweit in den Xabour Hills ausgebreitet hatte. Ihre Schläfen schmerzten höllisch, es fühlte sich an, als würde ein viel zu großes Gehirn gegen ihren Schädel drücken. Gestürzt war sie nicht, so viel stand fest. Denn sie hatte gerade noch gesehen, wie Dan die Arme ausgebreitet hatte, bevor die Macht der Bewusstlosigkeit sie überwältigte. Vielleicht hatte er sie irgendwo fallen lassen, sie wusste es nicht. Verstehen konnte ihr Kopf das alles gerade nicht, aber das musste er auch nicht. Die Tatsachen lagen auf der Hand. Ihre große Liebe ist ihr Stalker, und er wollte sie töten. Catherina konnte einfach nicht begreifen wieso, dennoch hegte sie keinerlei Zweifel mehr. Tief in sich drin wusste sie es, auch wenn sie es nicht begreifen konnte. Auf einmal schossen unkontrolliert tausende Erinnerungen in ihren Kopf. Es kam ihr vor, als würde sie sich selbst sehen, zusammen mit Dan. Da war ihr erstes Treffen, ihre erste Nacht, alles im Schnelldurchlauf. Dann die letzten Tage, die sie beisammen waren, bevor Catherina in der ersten Stunde ihrer lang ersehnten Weiterbildung im Krankenhaus gelandet war. Letztere Bilder zogen nur sehr langsam durch ihren Kopf, auch ein heftiges Schütteln konnte sie nicht vertreiben. Übelkeit mischte sich zu dem Gefühl des Verrats, den hämmernden Schmerzen und der Gewissheit, dass sie einen großen Fehler gemacht hatte. Urplötzlich verschwanden die Schmerzen, waren nur mehr ein dumpfes Gefühl. In Cath's Kopf geriet alles außer Kontrolle. Sie sah Mason, ihren Ex, zusammen mit Lisa, deren Augen glänzten wie Diamanten. Eigentlich hätte sie es wissen müssen. Schon damals hätte sie niemals dem Drang nachgeben dürfen, Dan zu lieben. Sie hätte ihre Mauern viel mehr noch höher bauen müssen, noch massiver. Dann wäre all das niemals geschehen.. Wieder ein abrupter Umschwung ihrer Wahrnehmung der Situation. Cath war noch am Leben, mit ungeheurer Kraft redete sie sich minutenlang ein, dass nur zählte, dass sie nicht tot war. Den Rest würde sie noch irgendwie hinbekommen. Erst einmal musste sie den Weg zurück in die Zivilisation finden, die wenigen Ziegenböcke, die hier unterwegs waren, würden ihr wohl kaum eine Hilfe sein. Da es mittlerweile fast komplett dunkel war und der Himmel zu wolkenverhangen, um auch nur einen Stern zu sehen, beschloss sie, sich erst einmal gegen einen Baum zu lehnen und ihre Verletzungen zu begutachten. Vielleicht würde sie ja auch ein wenig Schlaf bekommen.Zehn Minuten später hatte sie das ernüchternde Ergebnis.

Ein Stück unterhalb ihres Schlüsselbeins blutete eine ziemlich tiefe Wunde, das Messer musste ihr Herz nur knapp verfehlt haben. Das marine blaue Seidentuch, dass sie vor ein paar Stunden noch um ihren Hals trug, klebte nun blutgetränkt auf der Stichwunde. Catherina zwang sich, fester zu drücken, um die Blutung zu stillen. Nach einer Weile löste sie ihren Gürtel und zurrte das Tuch so fest, dass es sich anfühlte, als würde ihr Brustkorb explodieren. Anschließend ließ sie ihren Kopf erschöpft gegen den Baumstamm einer glatten Birke sinken und schloss dankbar die Augen.

Unterdessen war auf dem Highway die Hölle los. Autos kamen von der Fahrbahn ab und fuhren in die Böschungen, mehrere Reifen quietschten, als die Wagen eine Vollbremsung machten und mitten drin raste ein alter Käfer unbeirrt von Spur zu Spur. In Dan's Kopf pochte es wild, tausend Feuerwerke explodierten vor seinen Augen.
Dieses Miststück! , fluchte er laut, während er ein Auto nach dem Anderen aus dem Weg hupte.
Buchstäblich rasend vor Wut heizte er seinem Käfer ein, brachte ihn an seine Grenzen, um ihn noch weiter zu strapazieren. Sie würde ihm nicht davon kommen, nein. Dafür hatte er es schon zu weit geschafft. Sein Leben wäre bald wieder das Alte.
Unbeirrt bahnte er sich weiter einen Weg über die sechsspurige Straße, hupte wie ein Irrer.
Draußen konnte er Schreie hören, Menschen fluchten ihm lautstark hinterher. Aber es interessierte ihn nicht. Er würde nach Brooks fahren und wenn Catherina zu Hause wäre, dann würde er sie erwarten, und sie endgültig zur Strecke bringen.
Heulende Polizeisirenen nährten sich, schon bevor er das blaue Licht sehen konnte, preschte er weiter nach vorn und schon bald konnte er das große gründe Schild über der Straße sehen, dass die Abfahrt nach Brooks ankündigte.

Währenddessen erwachte Catherina aus einem unruhigen Schlaf, der mit vielen Tränen und Schmerzen verbunden war. Ihre Wunde blutete immer noch, wenn auch nicht mehr so stark. In der Nacht hatten sie Alpträume immer wieder aus dem Schlaf gerissen, Träume in denen Dan ihr die kalte Klinge seines Küchenmessers in ihr gebrochenes Herz rammte, es mehrmals kreisen ließ und es schließlich mit einem markerschütternden Lachen wieder heraus zog, um die blutige Klinge ab zu lecken. Es war schrecklich, minutenlang konnte sie nicht aufwachen, so sehr sie auch gegen den dicken Schleier ihres Schlafes hämmerte. Wenn sie nicht ganz schnell irgendwo hin kommen würde, wo es Menschen gab, würde sie noch den Verstand verlieren. Mit schweren Gliedern und einem schmerzenden Herzen, dass nicht nur von der Wunde herrührte, rappelte sie sich auf und stützte sich einen Moment am Baum ab, um den in ihr aufkommenden Schwindel zu überleben, ohne womöglich gegen spitze Steine oder in Brenneseln zu fallen. Nachdem ihr Körper sich einigermaßen beruhigt hatte, taumelte sie vorsichtig von Baum zu Baum, ohne eine Ahnung zu haben, ob sie in die richtige Richtung lief, oder sich nur noch tiefer im Wald verirrte.
Unmittelbar kam es ihr vor, als könnte sie das Motorengeräusch eines Autos hören. Das Auto konnte nicht weit weg sein, Cath konnte jedoch nicht die Richtung ausmachen, aus der es kam.
Plötzlich durchfuhr sie ein schmerzhafter Schauer, fast so als hätte man ihr einen Elektroschock verpasst. Dan, er musste bemerkt haben, dass sie aus seinem Keller geflohen war!
Tränen rannen ihr über die Wangen, während sie sich hastig hinter einen großen Brombeerbusch schleppte, um in Deckung zu gehen. Ihr Gehirn schaltete sich ab, der Schwall an Erinnerungen stürmte ungebremst auf sie ein. Die vielen gemeinsamen Nächte mit Dan, und auch ihre Naivität, er könnte sie wirklich lieben. All das waren nur Erinnerungen, Dinge die niemals wirklich real gewesen waren. Noch konnte sie nicht verstehen, wieso er so etwas getan hat, aber es war ihr egal, so lange ihr Leben am seidenen Faden hing.
Das Geräusch wurde nun lauter, trotzdem konnte sie weiterhin keinen alten Käfer ausmachen, und auch kein anderes Auto (nicht, dass sie eins erwartet hätte).
Dann aber fuhr ein weißer Kleinbus vor, am Steuer ein alter, langbärtiger Mann mit einem etwas jüngeren Beifahrer, der nur einen 3- Tage-Bart trug.
Catherina's Herz zersprang in Tausend Teile, nur um sich schließlich wieder zusammen zu fügen und vollgepumpt mit Freude in ihrer Brust herum zu springen.
Diese Leute würden sie hier raus bringen!
Ohne lange zu grübeln, zog sie sich an einem etwas dickeren Ast des Busches empor und warf sich stöhnend auf den Asphalt , nur einen Sprung entfernt. Der große Wagen, der mittlerweile gefährlich nah an den Brombeerbusch heran gefahren war, grub die Reifen in den geteerten Boden, wich dem sich windenden Frauenkörper vor sich auf und kam schließlich auf einer mit Klee bewachsenen Wiese stehen, die wenige Meter nach der Straße begann und sich über den halben Wald erstreckte.
Nach kurzer Stille öffnete sich die Fahrertür des Autos, Catherina hob den Kopf und bereute es sofort. Schreckliche Übelkeit keimte in ihr auf, dann verlor sie plötzlich das Bewusstsein und knallte hart mit dem Kopf auf den unnachgiebigen Stein.

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