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Kapitel 1 Hundert Mal sterben und wieder aufstehen

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Kapitel 1 Hundert Mal sterben und wieder aufstehen

Beitrag von Moni am Fr 11 Okt - 21:00

Anmerkung: Diese Geschichte gibt es bald als gedrucktes Buch. Bei Interesse einfach melden, der Rest wird dann per PN geklärt.



Dan Steelers blickte seiner kranken Mutter besorgt in die grauen, glasigen Augen. Wie lange es wohl noch dauern würde, bis es mit ihr vorbei ging?
Mary sah ihren Sohn durch einen Tränenschleier hindurch an. Mach dir keine Sorgen, mein Junge. Du wirst auch ohne mich zurecht kommen, ging es in ihrem Kopf herum, während sie feststellen musste, dass es sie es nicht schaffen würde, es laut auszusprechen. Also gab sie sich geschlagen und ließ sich, wie eigentlich den ganzen Tag, erneut von ihrem gewohnten Gedankengang mitziehen.
Glück, Liebe, Fröhlichkeit, unbeschwert das Leben genießen, alles Dinge, die nur mehr Vergangenheit waren und niemals mehr zurück kommen würden. Lange würde Mary das nicht mehr durchhalten, das wollte sie auch gar nicht. Sie sehnte sich das Ende herbei, wie ein Schüler die Sommerferien. Dan jedoch sollte nicht wissen, was sie dachte, obwohl es ihm tief im Innern schon bewusst sein musste.
Es war schon weit  nach Mitternacht, als Mr. Steelers das städtische Krankenhaus in Countville verließ und sich besorgt wie eh und je auf den Heimweg machte.



Die zierliche, junge Krankenschwester beugte sich müde über das als einziges besetzte Bett in Zimmer 36 und beäugte die junge Frau im Krankenbett.
„Es tut mir schrecklich Leid, Mister Steelers.“ ,war das Letzte was Dan gehört hatte, bevor ihn eine Welle, die von einer Mischung aus drohendem Unheil, Hass und Trauer geschwängert wurde, überwältigte und er unsanft auf den kalten Boden des Klinikflures klatschte, wo er schließlich regungslos liegen blieb.



Wie in Zeitlupe öffneten sich die schweren Lieder des fahlen Mannes einen Spalt.
Er konnte nichts erkennen, alles was er sehen konnte, war eine weiße Decke, ein Stück einer weißen Wand und ein gleißendes Licht, dass ihm in den Augen schmerzte. Dann fiel er erneut in Ohnmacht.
Dies geschah insgesamt drei Mal, bevor der deutlich angegriffene Haufen Elend in diesem schrecklich trostlosen Zimmer in diesem schrecklich trostlosen Krankenbett es halbwegs schaffte, die mit Tränen gefüllten Augen offen zu halten.
Es vergingen fast drei Stunden. In dieser Zeit war es dem nun mutterlosen jungen Mann nicht möglich, auch nur ein Wort mit einer der Schwestern mit den weißen Kitteln und den müden, zusammengefallenen Gesichtern zu wechseln, vielleicht wollte er auch nur nicht mit ihnen reden.
Dann endlich presste er mühsam ein Wort heraus, nur ein Einziges: „Warum?“

Von nun an bekam er jeden Tag Besuch von Frauen in weißen Kitteln. Und auch er selbst bekam eine Art „weißer Kittel“, mit dem Unterschied dass er in ihm nicht allzu elegant aussah und seine Bewegung deutlich eingeschränkt wurde.
Immer dann, wenn er an seine liebe Mutter dachte, steckten sie ihn in diesen weißen Kittel, und er verstand es nicht, warum sie das taten. Er hatte doch nur an seine liebe Mutter gedacht. Aber dass er bei jedem Male entweder eine Vase, einen Tisch oder eine Tür kaputt schlug, dass nahm er nicht wahr.
Versunken in seine Träume, gestrandet auf seiner goldenen Insel, wo das Leben noch glücklich wie eh und je war, grübelte er weiter über diese fahlen weißen Kittel nach, in die man ihn steckte, während es außerhalb seiner Welt dämmerte und wieder hell wurde, dämmerte und wieder hell wurde. Fern von bodenlosen, wilden Träumereien sorgte man sich von Tag zu Tag mehr um den verwirrten, nach Trauer müffelnden Typen in Zimmer 123 des Crazy Chapter Hospitals.
Welcher Idiot kam auf die Idee, das Krankenhaus so zu nennen?
Moment mal, man hatte ihn in ein anderes Krankenhaus gebracht?
Das musste er verdrängt haben, oder vielleicht war er ja die letzte Zeit in einen tiefen Schlaf versunken, auch wenn seine Augen geöffnet waren.
Dan aß mittlerweile wieder halbwegs normal und hatte auch wieder einen zarten Hauch Farbe auf den Wangen, dennoch schien es noch ein langer Weg der Genesung für ihn zu sein.
Fast ein halbes Jahr behielten sie ihn nun schon hier, die Frauen mit den weißen Kitteln und den um aufrichtige Freundlichkeit bemühten Gesichtern und er konnte sich nur immer wieder fragen, wieso.
Wieso saß ein Mann, der doch nur seine arme kranke Mutter betrauerte, in einem Haus wie diesem?
Dass er in Wahrheit sehr aggressiv gegenüber allem und jedem wurde, sobald die Gedanken an seine Mutter in ihm tanzten, davon ahnte er nichts und so blieb ihm der Grund seines Daseins verschleiert. Dan fand sich damit ab, es gab ihm ein gutes Gefühl, wenn die jungen, hübschen Damen in diesen schicken Kitteln sich um ihn kümmerten, zwar nicht mit so viel Liebe und Hingabe wie seine Mutter, aber das machte ihm nichts aus.


Und irgendwann, nach vielen langen Jahren hatte er es geschafft, heute ging es ihm wieder gut. Oder zumindest besser.
Er hatte sich in einem kleinen Häuschen in den Xabour Hills niedergelassen und lebte dort auf kleinem, aber einladendem Raum.
Und auch einen Job hatte er wieder angenommen. Nachdem er seinen Posten als Personalleiter bei Levit Industries aufgegeben hatte, damit er sich um seine Mutter kümmern konnte, begann er nun noch einmal von vorn. Bei Levit Industries hatte er einen guten Ruf und einen ziemlich guten Rang, dennoch stand er, betrachtete man die gesamte Struktur der riesigen Elektrofirma, doch nur auf einer der mittleren Sprossen der Leiter.
Nachdem er die Klinik verlassen hatte, kam er erst einmal bei seiner Schwester Meredith unter und jobbte zeitweise bei kleinen Imbissketten oder in Gaststätten, bevor er schließlich eine Anstellung bei einem städtischen Schlüsseldienst ergatterte, mit dem Geld kaufte er sich das kleine Holzhaus im Wald.
Das Gehalt war wahrlich nicht das Beste, dennoch reichte es aus.
In seiner Freizeit ging Dan seinem liebsten Hobby, dem Antiquitäten sammeln und verkaufen, nach.
Anfangs musste er sich das Geld mühsam zusammen sparen, aber da er es schaffte, die alten Möbelstücke, Briefmarken, etc. teuer zu verkaufen, häufte sich schnell eine beachtliche Summe Taschengeld an.

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